ISDN

“Nutzen Sie die Gelegenheit, um Potenziale und Effizienzsteigerungen aus Ihrem Business herauszulocken.”

Die Digitalisierung schreitet unentwegt voran, alte Technologien werden durch neue ersetzt. Dies gilt auch für ISDN. Was die Ablösung von ISDN für Unternehmen bedeutet, wo Gefahren lauern und wo sich Chancen bieten, erfahren Sie in unserem Interview.

Zur Person:

Andrea Meiborg ist Account- und Projektmanagerin bei der STF Gruppe. Sie berät Unternehmen in technischen und prozessualen Fragestellungen der Digitalen Transformation. Ein Fokus von Andrea liegt in der Unterstützung von Geschäftskunden bei der Umstellung von ISDN auf ALL-IP.

Wieso wird ISDN überhaupt abgestellt? Zumindest als Standardanwender hat man den Eindruck, dass es doch funktioniert.

Die Ablösung von ISDN durch ALL-IP hat gleich mehrere Gründe. Die ISDN-Technik ist veraltet, ineffizient und für die Netzbetreiber kostspielig. Die zunehmende Digitalisierung – hier sind beispielsweise IoT (Internet of Things), M2M (Maschine zu Maschine Kommunikation), Software-as-a-Service-Lösungen aber auch die allgemein gesteigerte Webnutzung zu nennen – macht höhere Bandbreiten erforderlich. Am besten funktioniert dies, indem Anwendungen in nur einem Protokoll, dem IP-Protokoll, gebündelt werden.

Womit haben Unternehmen zu rechnen, wenn Sie sich weigern, auf ALL-IP umzustellen?

 Die Netzbetreiber haben teilweise damit bereits begonnen, ISDN-Kündigungen auszusprechen. Wenn der Kündigungszeitpunkt eingetroffen ist bzw. die ISDN-Technologie nicht mehr unterstützt wird, kommt es zum Ausfall von Telefonie und Internet. Für Unternehmen kann dadurch der ganze Betrieb zum Stillstand kommen, beispielsweise wenn das Warenwirtschaftssystem nicht mehr funktioniert, das ERP-System oder andere SAS-Produkte.

Reicht es denn dann, einfach auf eine günstige Cloud-Telefonanlage umzustellen, und meine ISDN-Probleme haben sich in Luft aufgelöst?

In der Theorie ja, in der Praxis nein. In Unternehmen muss im Regelfall die Hardware angepasst werden, nicht alle Telefone sind ALL-IP fähig, Telefonanlagen sogar nur in den seltensten Fällen. Besonders kritisch sollten Verantwortliche auf Alarmanalgen, Brandmelde- und Notrufsysteme achten. Die Kommunikation dieser Anlagen und Systeme geschieht meist über ISDN. Auch andere Komponenten wie beispielsweise EC-Cash-Systeme oder elektrische Tore könne betroffen sein, da diese möglicherweise über die ISDN-Schnittstelle kommunizieren. Hier gilt es genau zu prüfen, wo ISDN überall genutzt wird, denn eine nicht funktionierende Brandmeldeanlage birgt enorme Gefahren.

Wichtig ist auch sicherzustellen, dass der genutzte Internetanschluss über ausreichende Kapazitäten für IP-Telefonie verfügt. 150kb werden pro Anruf im Download wie im Upload benötigt. Wenn mehrere Mitarbeiter Internetanwendungen nutzen und andere gleichzeitig telefonieren, kann dies in einigen Regionen mit geringer Bandbreite schon kritisch werden und zu Ausfällen von Telefonie und Internet führen.

In der ISDN-Ablösung stecken also einige Herausforderungen für Unternehmen, welche Vorteile bietet sie denn?   

 Unser Rat an die Kunden ist, wenn Sie sowieso schon Ihre ITK-Infrastruktur überarbeiten müssen, nutzen Sie die Gelegenheit, um Potenziale und Effizienzsteigerungen aus Ihrem Business herauszulocken. Überprüfen Sie also, wo es sinnvoll sein kann, Ihre Prozesse zu digitalisieren. Dazu können je nach Branche und aktuellem Stand unterschiedliche Maßnahmen führen. Ein Kunde, Betreiber eines B2B-Warenhaus, hat beispielsweise die Möglichkeit genutzt, von ineffizienten Faxbestellungen auf ein digitales Warenwirtschaftssystem mit Scannern umzustellen. Auch kann es sich lohnen, auf eine so genannte One-Device-Strategie umzustellen. Dies empfiehlt sich dort besonders, wo die Breitbandanbindung nicht optimal ist und ALL-IP deswegen nicht sinnvoll ist. Hierbei gilt es allerdings zu beachten, dass überall dort, wo es eingesetzt wird, eine ausreichende Netzabdeckung (in Gebäuden auch Inhouseversorgung genannt) gegeben ist.

Wie genau unterstützt STF Kunden bei der Ablösung von ALL-IP?

 Für uns ist es wichtig, Kunden individuell auf ihre Bedürfnisse fokussiert und herstellerunabhängig zu unterstützen. Aber einen roten Faden, an dem wir uns orientieren, haben wir natürlich. Wir starten mit einer Bedarfsanalyse, in der wir gemeinsam mit den Kunden Szenarien bzw. Alternativen erarbeiten, was die Ablösung von ISDN minimal und maximal erwirken kann. Im minimal-Fall ist dies in der Regel ein ALL-IP-basierte Telefonie sowie ALL-IP-basierter FAX-Versand und das Sicherstellen der Funktionalität von Sonderdiensten wie Alarmanlagen. Wenn der Kunde gleichzeitig die Gelegenheit nutzen will, um Prozesse zu optimieren, arbeiten wir ein erweitertes Szenario aus, beispielsweise den Einsatz von Sensorik in der Produktion, um den Verschleiß von Maschinen frühzeitig zu erkennen. In der darauffolgenden Ist-Analyse erheben wir den Status-Quo der ITK-Infrastruktur. Hier schauen wir genau, was erneuert werden muss und welche Technik zukünftig weitergenutzt werden kann. Im Anschluss erfolgt ein passgenaues, kundenorientiertes Konzept samt Kostenschätzung und Fahrplan für die ISDN-Ablösung.

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