Interview:

Marcel Frei über die Entwicklung des FTTX-GIS-Tool

Unser Kollege Marcel hat ein eigenes GIS-Tool (Geoinformationssystem-Tool) entwickelt, um den Zeitaufwand bei der Breitbandausbauplanung zu reduzieren und den Planungsprozess auf die Ingenieursleistung zu beschränken. Der Planer gewinnt dadurch Zeit, um sich auf seine eigentlichen Aufgaben fokussieren zu können. In diesem Interview sprechen wir mit Marcel über die Entwicklung und Nutzung des sogenannten FTTX Planungstools.

Marcel, Was genau hast du für ein Tool entwickelt und wie kam es dazu?

Das Tool ist letztendlich kein einzelnes Programm, sondern ein Zwei-Komponenten-Kleber. Zwei Stand-Alone Programme kommen im gegenseitigen Wechselspiel zum Einsatz, um die gestellten Aufgaben zu erfüllen. Die STF nutzt bereits ein Tool für Breitbandausbau-Planungen, welches durch ein firmeneigenes Instrument ersetzt werden sollte. Man kam auf mich zu, um Möglichkeiten für eine Ersatzlösung zu besprechen. Dabei lag der Fokus auf schon bestehenden Tools bei der STF und evtl. kostenlosen Tools auf dem Markt.

 

Was ist nun die Aufgabe und wie erfolgt die Planung?                                                                                                 

Ganz plump gesagt besteht die Aufgabe in der Planung eines Breitbandausbaus. Dabei geht es um die Frage, wie ein Gebiet, welches mit FTTH (fibre to the home) oder FTTB (fibre to the building) oder kurz gesagt mit Glasfaser erschlossen werden soll, geplant werden muss. Ganz konkret also: Wo müssen Knotenpunkte aufgebaut werden? Wie werden diese miteinander verbunden? Und über welche Rohre und Kabel hängen Kundenanschlüsse mit diesen zusammen? Im Planungsprozess liegt dabei die größte Herausforderung und somit auch der größte Zeitaufwand in der graphischen Umsetzung der Ingenieursleistung. Daher zielt meine Entwicklung auch nicht auf die Ersetzung der Ingenieurs-Leistung ab. Der Planer muss also sein Know-how einbringen um die Voraussetzungen für die Neuentwicklung zu schaffen. Vielmehr wird mit dem Tool der Planungsprozess auf die Ingenieursleistung reduziert. Die zeitaufwendige graphische Umsetzung übernehmen die Automatismen.

 

Das klingt unheimlich kompliziert, wie kann man sich die Umsetzung vorstellen?           

Die Umsetzung ist wesentlich einfacher. Wenn man sich den Planungsprozess anschaut, dann gibt es eine Reihe von Aufgaben, die nacheinander erfolgen müssen. Ausgangslage ist eine Reihe von Häusern, welche an ein Glasfasernetz angeschlossen werden sollen. Die Ingenieursleitung besteht im ersten Schritt also in der Findung eines geeigneten Standorts für die Verteiler. Wo befinden sich die Tiefbautrassen? Und welche Häuser werden auf unterschiedliche Rohrverbände gruppiert? All diese Arbeiten werden in dem lizenzfreien Tool QGIS ausgeführt. Um daraus eine fertige Planung zu generieren, muss nun jeder einzelne Rohrverband und jedes einzelne Kabel gezeichnet werden. Dieser Fleißaufgabe widmet sich Tool 2, FME Workbench. Dieses wurde so programmiert, dass fast alle graphischen Objekte automatisiert erzeugt werden.

 

Wie lief der Entwicklungsprozess ab? 

Die Entwicklung besteht aus zwei Komponenten, die aber sehr eng zusammengehören: Im ersten Teil musste ein Prozess gefunden werden, der die generelle Planung beinhaltet, damit der Zeitaufwand und die zur Verfügung stehenden Tools sinnvoll eingesetzt werden können. Im zweiten Entwicklungsschritt folgte dann die eigentliche Programmierung der Automatismen.

 

Was waren die größten Herausforderungen bei der Entwicklung des Tools?            

Die größte Herausforderung in der eigentlichen Entwicklungsphase war und ist die zur Verfügung stehende Zeit. Die Entwicklung lief neben dem täglichen Geschäft.

Auch zukünftig wird es eine Herausforderung sein, das Programm im laufenden Betrieb weiter zu entwickeln. In der aktuellen Form ist das Tool nur auf eine geringe Anzahl an Mitarbeitern skalierbar. Durch das gegenseitige Wechselspiel zwischen QGIS und FME entsteht ein Flaschenhals, der aufgrund der lizenztechnischen Einschränkung bei FME auf einen Arbeitsplatz reduziert wird. Alle Planer müssen sich diesen Arbeitsplatz und die dort vorhandene Zeit teilen.

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